Uracher Plan - Komplettversion

Ein pädagogischer Rahmenplan für Schulen

Entwurfsfassung Dezember 2011 für Baden-Württemberg

Einführung:

Der hier vorliegende Uracher Plan, versteht sich nach seinem pädagogischen Selbstverständnis in der Nähe anderer reformpädagogischen Konzepte wie etwa dem Jenaplan von Peter Petersen oder der ursprünglichen Fassung des Marchtaler Plans der Katholischen Schulen. Der wesentliche Unterschied liegt in der zentralen Einbindung der Eltern in den Bildungsprozess der Schüler.

Intuitiv war es vielen Pädagogen schon immer präsent, dass die Einbeziehung und Vernetzung der Eltern in den Bildungsprozess für die Begabungsentwicklung des Kindes von grundsätzlicher Bedeutung ist. Schon 1985 schrieb der deutsche Pädagogikprofessor Hartmut von Hentig in einem Gutachten: „….Hierzu gehört der – von der öffentlichen Schule sträflich vernachlässigte – Dauerkontakt mit den Eltern, der neben der Kleinheit und der Familienartigkeit der FSF (Freie Schule Frankfurt) ihr größter pädagogischer Vorzug ist.“ Aber erst die modernen Möglichkeiten der Neurowissenschaft in der Lernforschung (Spitzer, Hüther u. A.) aber auch und im besonderen Maß die Erkenntnisse aus der Bildungsforschung (Neufeld, Hellbrügge u. A.) bestätigen den fundamentalen Einfluss der familiären Umgebung auf die Lernfähigkeit und die Begabungsentwicklung des Kindes. Insofern ist es nur konsequent, die Eltern verantwortungsvoll mit in den Bildungsablauf einzubinden. Zwar werden in unserer postmodernen Gesellschaft nicht alle Erziehungsberechtigten so viel Erziehungsverantwortung übernehmen wollen, vielmehr wird es sogar nur ein geringer Prozentsatz der Erziehungsberechtigten sein. Gleichwohl wird die Umsetzung des vorliegenden Konzepts die Bildungslandschaft enorm bereichern und überkommene Lernstrategien herausfordern.

Der bereits zitierte Kollege von Hentig schreibt in jenem Gutachten weiter: „Mathetik, das sei hier wiederholt, ist eine notwendige Korrektur des gedankenlos verabsolutierten Prinzips der Didaktik: dass lernen, durch Belehrung geschehe…..Die Freien Schulen werden nicht umhin können, die sie umgebende Stadt oder das sie umgebende Land als ihr eigentliches „Klassenzimmer“ zu betrachten. …Die verlorengegangene Gleichberechtigung des mathetischen und des didaktischen Prinzips, von funktionaler und intentionaler Erziehung ist wiederherzustellen und dies mit Konsequenz. Denn, dass Didaktik die Mathetik verdrängt, liegt allemal näher als das Umgekehrte.“ Es war für uns selbstverständlich, dass im Uracher Plan das Lebensumfeld des Schülers der ideale und bevorzugte Lernort sein wird. Auch will der vorliegende Plan keine Didaktik „überstülpen“. Die Pädagogik soll vielmehr konsequent vom Kind aus gedacht werden und den nötigen Raum lassen, individuelle und „maßgeschneiderte“ Bildung zu ermöglichen.

Der Uracher Plan wurde erstmalig in Bad-Urach unter Leitung des Pädagogen und Schulträgers Oberkirchenrat Werner Baur (Dezernat Schule und Bildung der Evangelischen Landeskirche in Württemberg) in seiner Grundkonzeption festgehalten. Neben OKR Werner Baur und der ev. Schulrätin, Frau Soller-Britsch, waren daran mehrere Pädagogen, der Vorstand der Landesvereinigung für dezentrales Lernen sowie pädagogisch interessierte Eltern beteiligt.  Für schulrechtliche Fragestellungen wurde der Schulrechtler RA Dr. T. Hahn aus Stuttgart herangezogen.  Der Plan kombiniert insofern und ganz bewusst den Input von Schulträger, Erziehungswissenschaft, Schulaufsicht, Schulrecht, Pädagogische Praxis und Belange interessierter Eltern. Es war nie die Absicht, das vorliegende Konzept als rein theoretischen Gedankenansatz zu entwickeln. Vielmehr war es von Beginn der Gespräche an klar, dass es ein Schulkonzept werden soll, das sich in der Praxis bewähren wird. Insofern mussten natürlich auch die schulgesetzlichen Besonderheiten entsprechende Berücksichtigung finden. Der nunmehr vorliegende Plan ist ein Schulkonzept, bei dem der besondere pädagogische Ansatz des dezentralen Lernens (u. A. auch im Lebensumfeld des Schülers von zu Hause aus) in die Organisation und Institutionalisierung einer Privatschule sowie der fachlichen, individuellen Begleitung durch Pädagogen in Kompatibilität mit der Privatschulgesetzgebung verschmolzen wir.

Dabei will das vorliegende Konzept ganz bewusst aktuelle schul- und bildungspolitische Fragen aufgreifen und beantworten. Die pädagogische Konzeption soll in enger Zusammenarbeit mit kommunalen Partnern des Landes sowie mit Partnern aus Wirtschaft, Wissenschaft und Bildungspolitik stattfinden und sich bewähren. Insbesondere soll die Vernetzung Eltern – Schüler – Schule, der Umgang mit Heterogenität (Hoch- und Sonderbegabung, Teilleistungsschwächen, ADHS usw.) und auch Fragen des Übergangs (z.B. Übergang auf weiterführende oder internationale Schulen) Beachtung finden. Die Erziehung zu verantwortlicher Freiheit und die Verantwortung, sich in die Gesellschaft einzubringen, gehört zum Selbstverständnis des Uracher Plans.

Wie bereits ausgeführt, ist der Uracher Plan ein Konzept für die Praxis. Ich habe versucht, ganz bewusst so zu formulieren, dass auch Praktiker, also Schulträger und Lehrkräfte, aber auch interessierte Eltern das pädagogische Konzept verstehen können. Sollte mir das an der einen oder anderen Stelle nicht gelungen sein, bitte ich dies zu entschuldigen.

Blaustein bei Ulm im Dezember 2011
Prof. Dr. Hans A. Schieser

Soweit die nachfolgenden Ausführungen Personenbegriffe wie Schüler, Lehrer, Schulleiter enthalten, sind dies funktionsbezogene Beschreibungen, die gleichermaßen auf Frauen und Männer zutreffen.

    1. Pädagogik des Uracher Plans

    Grundgedanken

    Das Schulkonzept des Uracher Plans basiert auf den Maximen

      a. Verantwortliche Freiheit

      b. Achtung vor sich selbst und anderen

      c. Selbstständigkeit, Subsidiarität und Solidarität

      die in den folgenden Ausführungen näher dargestellt werden.

       

      1.1 Anthropologie / Menschenbild

      Der Mensch ist in seiner Individualität und Würde einzigartig und unantastbar. Er ist Mittelpunkt und Maßstab alles Handelns, gerade auch im Bereich Erziehung und Bildung. Er hat in gleicher Weise Freiheit und Verantwortung übertragen bekommen, die sich in einer pluralistischen Gesellschaft bewähren muss. Die Freiheit, die Maxime seines Handelns selbst bestimmen zu dürfen, ist das natürliche Recht des Menschen. Um seine Freiheit verantwortlich zu gebrauchen, braucht er ein Gewissen, das durch werteorientierte Bildung und Erziehung geformt und ausgebildet wird. Dies befähigt ihn, andere Menschen mit Respekt und in Würde anzunehmen und Verantwortung für seine Mitmenschen wie auch der Gesellschaft zu übernehmen.

      Ungeachtet von Rasse, Nationalität, Geschlecht, sozialer Herkunft oder Lebensanschauung hat jeder Mensch das Recht, eine eigene Identität zu entwickeln, die durch Selbstständigkeit, Kreativität, Kritikfähigkeit und durch das Bewusstsein von sozialer Gerechtigkeit gekennzeichnet ist. Insofern wird der Schüler als Ganzheit gesehen, dessen Bedürfnisse und Fähigkeiten es zu berücksichtigen, zu fördern und freizulegen gilt. Die Vielfalt seiner Begabungen ist aufzufinden und zu stärken. Die dafür erforderliche Sicherheit und Erfahrung des Angenommenseins wird durch verlässliche und vertraute Begleitung und die Geborgenheit, die das Schulkonzept bietet, erfahrbar und erlebbar. In der Ermutigung und Freiheit zu aktivem und selbstständigem Lernen wie auch in der Einbeziehung des Schülers in die Planung und den Ablauf der Lernprozesse und Lerninhalte erfährt der Schüler seine ihm gebührende Wertschätzung und Würde.

      Wir begegnen mit Respekt und Achtung Menschen mit anderen Lebensentwürfen, Meinungen und Religionen. Dabei sollen die Schüler durch Vorbildfunktion von Eltern und Lehrkräften sowie durch praktische, soziale Einsätze motiviert werden, positive Impulse in die Gesellschaft hineinzutragen.

      1.2 Pädagogische Grundsätze

      Das Bildungsverständnis beim Uracher Plan ist konsequent mehrdimensional. Es versteht Bildung als Zusammenhang von Lernen, Wissen, Können, Wertbewusstsein, Einstellungen und Handlungsfähigkeit. Es will verhindern, dass Wissen und Handeln auseinanderklaffen und eine so genannte „Werteerziehung“ nur angeheftet wird. Darüber hinaus bleibt bewusst, dass jeder gewählte Lernprozess eine inhaltliche Deutung und Bewertung der Lebenswirklichkeit mit einschließt.

      Vor dem Hintergrund gesteigerter gesellschaftlicher, wirtschaftlicher und technologischer Dynamik lassen sich die für die Zukunft notwendigen Lerninhalte zunehmend unsicher voraussagen. Neben dem Erlernen von Fertigkeiten, die man auch für die Zukunft als „Schlüsselqualifikationen“ definiert (z. B. Erlernen von Fremdsprachen) braucht zukunftsfähige Bildung auch Raum und Vorbereitung für das Unerwartete, für das nicht Vorhersehbare und in diesem Sinne Neue. Insofern versteht das Schulkonzept zukunftsfähige Bildung nicht zuletzt als Erwerb der Fähigkeit, den eigenen Lernprozess auf kreative Weise selbst zu steuern und zu gestalten. Eben diese Fähigkeit wird für den Prozess des kontinuierlichen Lernens für die Zukunft der Schüler entscheidend sein. Deshalb führt das Schulkonzept die heranwachsenden ganz bewusst zu selbstständigem Lernen heran.

      In ihren methodisch-didaktischen Grundsätzen richtet sich der Uracher Plan nach den reformpädagogischen Grundsätzen mit einer zentralen Einbindung und Vernetzung der Eltern in den Bildungsablauf ihrer Kinder. Diesem Konzept liegt der Gedanke zugrunde, durch die Mitverantwortung der Eltern für die Bildung ihrer Kinder, die Eltern für Bildungsprozesse zu sensibilisieren. Sie sollen das Lebensumfeld des Schülers so gestalten, dass dieser Bildung als natürlichen Teil des Lebens sowie integriert in den alltäglichen Ablauf und in seine Umgebung erfahren kann. Der Lebensraum soll zur sprichwörtlichen "Schulwohnstube“ (Pestalozzi) werden. Lernen wird vom Schüler im täglichen Ablauf als notwendig und vorteilhaft wahrgenommen. wobei die natürliche Neugier und intrinsische Lernmotivation gefördert wird,

      Die Kongruenz der Bereiche Erziehung und Bildung durch gleiches Umfeld und Personen gibt dem Schüler Sicherheit und Selbstvertrauen zur Entwicklung seiner eigenen Persönlichkeit. Dies ist Voraussetzung zur gelebten Toleranz und Achtung vor anderen.

      1.2.1 Lernen in Freiheit und Verantwortung und an der Lebenswirklichkeit

      Die Lebenswirklichkeit der Schüler ist konsequenter Ausgangspunkt und zentraler Inhalt des Lernens nach dem Schulkonzept.

      Offene, individuelle Lern- und Arbeitsformen bilden den Rahmen für dieses Arbeiten. Hierbei sollen die Schüler ganz bewusst und zielgerichtet an die Fähigkeit des selbstständigen Lernens herangeführt werden, das im späteren alltäglichen Leben unverzichtbar ist. Eben diese Fähigkeit soll die Schüler ganz natürlich auf ein lebenslanges, motiviertes Lernen vorbereiten.

      Die Freiheit, den Lernstil an eigene Stärken und Schwächen anzupassen, wird verbunden mit der Verantwortung für den Lernfortschritt. Arbeit ist verbunden mit Anstrengung und braucht klare Strukturen (Arbeitsplan), die an die Situation der Schüler angepasst sind. Im offenen und schülerzentrierten Arbeiten werden die Schüler in die Planung und Gestaltung der Lernprozesse mit einbezogen. So wird Lernen sinn- und bedeutungsvoll und berührt die Lernenden als ganze Person. Dabei lernen die Schüler, ihre Stärken und Schwächen zu entdecken und einen zur eigenen Persönlichkeit passenden Lernstil zu entwickeln. Dies begleitet und hilft ihnen bei Weiterbildungsprozessen im späteren Leben und im Berufsleben.

      1.2.2 Verantwortlichkeit lernen und leben

      Für das Zurechtfinden in einer freien, demokratischen und subsidiären Gesellschaftsordnung ist die Erziehung zum mündigen, selbstbewussten Menschen, der seine Freiheit zu gebrauchen weiß und Verantwortung gegenüber anderen Menschen und der Gesellschaft übernimmt, unverzichtbar. Das Subsidiaritätsprinzip, das jeder freien Gesellschaftsordnung zu eigen ist, vertraut auf die Fähigkeit und die Bereitschaft jedes Bürgers, seine für ihn lösbaren Herausforderungen des Lebens zunächst selbst zu lösen. Erst Aufgaben, die ihn objektiv überfordern, sollen Mitverantwortung der Allgemeinheit sein. Die Einübung dieser Lebenseinstellung und -gewohnheit ist Aufgabe von Erziehung und Bildung zum mündigen Bürger.

      Im Schulkonzept des Uracher Plans ist die Erziehung zum Prinzip der Subsidiarität und Selbstverantwortlichkeit grundlegendes Ziel. Es wird dem Schüler mit zunehmendem Alter zugetraut, immer mehr Lernprozesse zum Erreichen der Kompetenzen nach dem Bildungsplan BW selbst auszuwählen und zu gestalten. Lernentwicklungsgespräche mit Betreuungskräften und Eltern verschaffen die hierfür notwendige Transparenz und Zielsetzung. Das Vorbild der Eltern, wichtige Verantwortung in der Bildungspartnerschaft des Schülers zu übernehmen, ermuntert Letzteren, Herausforderungen selbstbewusst und aktiv anzugehen.

      1.2.3 Gestaltungswille und Gestaltungsfreude

      Die Freiheit, schöpferische Kreativität und individuelle Begabungen zu entwickeln und auszuleben, gehören zum Selbstverständnis des Menschseins und seiner Würde. Jeder Mensch hat das Bedürfnis, sich Orientierung, Gewissheit und Verständnis in einer komplexen Umgebung zu verschaffen. Dieses natürliche Lernbedürfnis und Neugier sind ihm naturgegeben. Passive, öde, sterile und vorgefertigte Lernprozesse hemmen dieses naturgegebene Bedürfnis und implizieren Lernen als lästige Pflicht. Die Förderung und Kultivierung von intrinsischer Lernmotivation ist daher für eine positive Bildungseinstellung beim Schüler von grundlegender Bedeutung.

      Das Schulkonzept des Uracher Plans integriert möglichst viele Bildungsinhalte des Bildungsplans BW in die Interessenlage und den jeweiligen Wissensdrang des Schülers. Dabei „erforscht“, recherchiert und „entdeckt“ der Schüler die Bildungsinhalte weitgehend selbst. Moderne Medien (z. B. Internet), Lehr- und Sachbücher sowie Bibliotheken werden genauso selbstverständlich benutzt, wie das Sammeln von Erfahrungen an praktischen Beispielen in Natur, Handwerk und Landwirtschaft. Vor Beginn solcher Studienprojekte wird zusammen mit dem Schüler konzeptionell besprochen, welche Bildungsinhalte der verschiedenen Fächer in das Projekt integriert werden können. Die Ausgestaltung von Lern- und Arbeitsplänen, das Erlernen von Instrumenten der Selbstevaluation und Leistungskontrolle geben dem Schüler das Gefühl, wesentliche Bereiche seiner Bildungsbiographie selbst zu gestalten. So wird Lernen sinn- und bedeutungsvoll, berührt den Lernenden als ganze Person, findet seine Nachhaltigkeit und bleibt besser haften.

       

    2. Schule

    Das dezentrale Lernen nach dem Uracher Plan ist eine Form der schulischen Bildung, die sowohl als eigenständige Schulform geführt werden kann, wenn alle Kinder nach dem Uracher Plan lernen, oder die als besondere Beschulungsmöglichkeit im Rahmen einer Schule mit zentraler Lernform geführt werden kann, wenn ein Teil der Schüler weit überwiegend in Klassen unterrichtet wird und ein anderer Teil dezentralen Unterricht erhält.

    Als Bildungsziel strebt das Lernen nach dem Uracher Plan an, dass die Schüler den Hauptschulabschluss oder den Realschulabschluss nach den Lehrplänen für öffentliche Schulen in Baden-Württemberg ablegen. Dies geschieht durch eine institutionalisierte Schule eines Schulträgers, dessen Lehrer den Nachweis der Befähigung zur Unterrichtserteilung nach den für Privatschulen geltenden Vorschriften besitzen. Da die Schule mit ihrem Gesamtzweck als Ersatz für eine im Land vorhandene oder grundsätzlich vorgesehene Schule dient,  ist die Schule Ersatzschule im Sinne des Grundgesetzes (BVerfGE 27,195,201 NJW 1970,275; BVerfG B.v. 9.3.1994 – 1 BvR 682,712/88- NVwZ 1994,886,888 r.Sp; BVerfG B.v.9.3.1994 – 1BvR 1369/90 – NVwZ 1994,889,891, li.Sp).

    Dass dieses Ziel mit einem eigenverantwortlich geprägten und gestalteten Unterricht mit entsprechenden Lehrmethoden und Lerninhalten besonderer pädagogischer Prägung  erreicht wird steht nicht entgegen sondern ist der Ersatzschule eigen (BVerfG a.a.O.).

    Als Schulträger kommen Schulträgervereine, kirchliche Schulträger oder sonstige Einrichtungen in Frage, welche die Voraussetzungen des Privatschulgesetzes von Baden-Württemberg erfüllen und in der Lage sind, dauerhaft eine Schule zu führen und zu betreiben.

    Zweck der Schule ist es, die Bildungs- und Erziehungsziele des jeweiligen Bildungsplanes von Baden-Württemberg in allen Fächern zu erreichen. Zur Erreichung der Bildungs- und Erziehungsziele beschäftigt die Schule Lehrkräfte, welche die Anforderungen des Privatschulgesetzes von Baden-Württemberg an Lehrkräfte erfüllen und die Schüler in enger Zusammenarbeit mit den Eltern planmäßig zu den von der Schule verfolgten Bildungs- und Erziehungszielen führen.

    Beim Uracher Plan lernen die Kinder weitgehend von zu Hause aus und werden vom Betreuungslehrer/Lernbegleiter der Uracher-Plan-Schule individuell begleitet. Regelmäßige Hausbesuche bei den Schülern durch die betreuenden Lehrkräfte erlauben die erforderliche Nähe und Bindung zu den Schülern und Eltern und bieten eine gute Ausgangsbasis für eine verantwortliche Aufsicht. Zusätzlich werden die Schüler regelmäßig als Lerngruppe zusammengefasst, an der Uracher-Plan-Schule oder an alternativen und geeigneten Lernorten. Regelmäßiges gemeinsames Lernen in der Gruppe zusammen mit den Lehrkräften ergänzt dabei das betreute Lernen von zu Hause aus. Ziel dabei ist, dass sich die Uracher-Plan-Schüler auch emotional klar der Schule zugehörig fühlen.

    Gemeinschaftliche Veranstaltungen und sportliche, künstlerische und soziale Freizeitaktivitäten der Schüler in ihrem Lebensumfeld dienen der Einübung gesellschaftlicher Erfahrungen und der Einfügung der Schüler in eine tolerante demokratische Gesellschaft.

    Die Schulgemeinschaft umfasst im engeren Sinn die Schüler der Schule, die betreuenden Lehrer/Lernbegleiter und die Eltern der Schüler. Darüber hinaus gehören zur Schulgemeinschaft alle Mitglieder des Elternverbandes der Schule, Kooperationspartner sowie alle anderen beteiligten Personen und Organisationen. Die Gestaltung des Schullebens und des Lernens auf der Grundlage ethischer Werte, Gemeinschaft und Verantwortung ist deren gemeinsame Aufgabe.

    Kinder aller Bevölkerungsschichten und Nationalitäten können an der Schule aufgenommen werden. Diesen Kindern in ihrer Verschiedenheit, in ihren grundsätzlichen und aktuellen Lernbedürfnissen und ihrer Persönlichkeitsbildung gerecht zu werden, ist zentrales Anliegen der Schulkonzeption. Dabei werden Verschiedenheit und Unterschiedlichkeit (Alter, Geschlecht, Verhalten,...) als Chance und Bereicherung gesehen und gelebt, Verschiedenartigkeit zu ermöglichen und dabei Angenommen sein zu erleben.

     

    3. Organisation des Lernens und Beurteilungsformen

    An der Uracher-Plan-Schule ist die Lebenswirklichkeit der Schüler konsequenter Ausgangspunkt und motivierend für das Lernen. Sie lernen daher weitgehend selbstständig von zu Hause aus.

    Die äußere Organisation des Lernens wird durch das Verhältnis von Schulträger, Lehrern, Schüler und Eltern bestimmt. Der Schulträger schließt mit den Eltern der Schüler, welche nach den Grundsätzen des Uracher Plans beschult werden, einen Schulvertrag ab. In diesem Vertrag verpflichtet sich die Schule,

  • den Schüler nebst anderen Schülern zu den im Bildungsplan BW der  betreffenden Schule (Hauptschule,Realschule,) festgelegten Zielen zu führen.
  • Die Beschulung nach den Grundsätzen des Uracher Plans durchzuführen
  • Die Eltern verpflichten sich,

  • dass sie für den Schüler eine adäquate Lernumgebung zur Verfügung stellen können,
  • dass sie den Betreuungslehrer für den Uracher-Plan-Schüler und soweit vorgesehen, weitere für den Schüler zuständige Lehrer nach Kräften unterstützen, deren Weisungen beachten und ihnen die gewünschten Auskünfte über das Lernverhalten und die Freizeitaktivitäten geben werden
  • den Schüler anhalten werden, zu festgelegten Zeiten sich den in Lerneinheiten vorgegebenen Lernstoff anzueignen. Hierfür werden täglich mindestens 5 Stunden freigehalten
  • den Schüler anhalten werden, sich an sportlichen oder musischen oder sozialen Freizeitaktivitäten zu beteiligen
  • das vereinbarte Schulgeld bezahlen werden.
  • Der Uracher Plan orientiert sich in den zu erreichenden Kompetenzen und Standards an dem Bildungsplan für Schulen in Baden-Württemberg (2004). An landesweiten Vergleichsarbeiten wird teilgenommen.

    Dem pädagogischen Konzept des Uracher Plans liegt der Gedanke zugrunde, die Lernzeit in den einzeln zu erreichenden Kompetenzen konsequent an den individuellen Stärken und Schwächen des Schülers und nach dessen Lernfortschritt auszurichten. Insofern ist die vom baden-württembergischen Kultusministerium geforderte Stundentafel mit dem pädagogischen Konzept so nicht anwendbar und wird an die Bedürfnisse des Schülers angepasst.

    3.1 Vernetzung Schule – Schüler – Eltern (siehe auch Anlagen)

    Die betreuenden Lehrer/Lernbegleiter der Uracher-Plan-Schule sind mit der Betreuung des dezentralen Lernens beauftragt und arbeiten mit den Eltern zusammen. Insofern übernehmen auch die Eltern der Schüler eine verantwortungsvolle Rolle und Funktion als Lernmoderator sowie Aufgaben im Sinne der Bildungspartnerschaft.

    Nach dem Uracher Plan hat die Schule folgende Aufgaben, welche in der Regel durch den von der Schule bestimmten betreuenden Lehrer wahrgenommen werden,

  • Festlegen von verbindlichen Veranstaltungen der Schule zum gemeinsamen Lernen der Schüler an der Uracher-Plan-Schule
  • Organisation von jahrgangsgemischten, heterogenen Lerngruppen innerhalb und außerhalb der Uracher Plan Schule.
  • Schulpädagogische Begleitung und Betreuung durch regelmäßige persönliche Kontakte zu den Schülern und den Eltern (z. B. Hausbesuche / Formen von E-Learning).
  • Kennen lernen der Schüler und ihrer Lern- und Arbeitsweise sowie ihrer konkreten Lernumgebung.
  • Lernstanddiagnose für jeden einzelnen Schüler durchführen
  • Erarbeitung und Entwicklung  individueller Lernpläne mit Kompetenzvorgaben des Bildungsplanes in enger Zusammenarbeit mit dem Schüler und den Eltern.
  • Beratung der Eltern z.B. Gestaltung und Dokumentation von Lernprozessen im Rahmen des angewandten Konzepts der dezentralen Beschulung.
  • Durchsicht und Bewertung der Dokumentation der Lernprozesse (z.B. Schülerportfolio).
  • Evaluation des Lernfortschritts.
  • Bewertung der Leistungen der Schüler.
  • Organisation und Durchführung von Prüfungen
  • Organisation und Vorbereitung auf schulartspezifische Abschlussprüfungen
  • Erteilen von Zeugnissen
  •  

    Aufgaben der Eltern sind in diesem Kontext:

  • Erziehungsverantwortung wahrnehmen, das Lernen des Kindes und die Lernprozesse begleiten, auf Kontinuität und Struktur der Lernprozesse achten und für anregungsreiche Rahmenbedingungen sorgen.
  • Ansprechpartner für den Lernbegleiter ( Lehrkraft).
  • Kontinuierliche  Zusammenarbeit mit dem Lernbegleiter (Lehrkraft) pflegen.
  • Dafür Sorge tragen, dass die Schüler an den verbindlichen schulischen Veranstaltungen teilnehmen.
  • Überwachung der Dokumentation der Lernprozesse und Lernentwicklungen des Kindes in vereinbarter Form.
  • Organisation von Berufspraktika in Abstimmung mit dem Lernbegleiter
  • Sorgen für eine ausreichende Einbindung in den Querschnitt der Gesellschaft auch vor Ort und können dies auch belegen (z. B. durch aktive Mitgliedschaft im Sportverein o. ä.).
  • Zugehörigkeit und Mitarbeit im Elternverband „Uracher Plan Schüler der FES“
  • Organisation von Berufspraktika in Abstimmung mit dem betreuenden Lehrer
  •  

    3.1.1. Schüler

    Der Schüler steht konsequent im Mittelpunkt der pädagogischen und didaktischen Konzeption beim Uracher Plan. Er wird zu aktivem und selbstständigem Lernen motiviert und angeleitet und erfährt in der Einbeziehung in die Planung der Lernprozesse und deren Ablauf seine ihm gebührende Wertschätzung in seiner Würde.

    In gewohnter Lernumgebung, der sprichwörtlichen „Schulwohnstube“, lernt der Schüler selbstständig unter Begleitung der Eltern und des Lernbegleiters von zu Hause aus. Mit zunehmendem Alter wird es natürlich, sich den Lernstoff aktiv und selbstständig zu erarbeiten.

    Unter Beachtung der Konformität mit dem Bildungsplan von Baden-Württemberg steht es dem Schüler frei zu wählen, ob er konsequent einem fertigen Curriculum folgt, ob er ein solches nur als Vorlage und Ideengeber verwendet oder ob er es aus den vielfältigen deutschen Lehr- und Lernmaterialen auswählt und mehr oder weniger projektbezogen arbeiten will. Schüler mit mehrsprachigem Hintergrund werden aus dem reichhaltigen Angebot an entsprechenden Lehr- und Lernprogrammen für ihren eigenen Lern- und Arbeitsstil die passenden Impulse und Ideen finden. Grundsätzlich jedoch ist das Lernen eingebunden in alltägliche Lebensumstände der Schüler und deren praktische Lebensumgebung und wird nicht anhand trockener, vorgefertigter Lernübungen vermittelt.

    3.1.3. Eltern

    Als zentrale Bezugspersonen in der Erziehung ihrer Kinder übernehmen die Eltern der Schüler beim Uracher Plan auch eine verantwortungsvolle Aufgabe in der Bildungspartnerschaft. Sie verstehen sich als Partner der Betreuungslehrkräfte und pflegen die Zusammenarbeit mit diesen. Dazu gehören insbesondere die Transparenz der Lernprozesse und die Dokumentation derselben in der vereinbarten Form.

    Ein regelmäßiger Austausch der Eltern mit dem Lernbegleiter über die Entwicklung und den Lernstand der Schüler hat seinen Raum in persönlichen Entwicklungsgesprächen, etwa bei Hausbesuchen oder sonstigen Veranstaltungen der Schule und Treffen.

    3.1.4 Elternverband

    Alle Eltern der Schüler sind Mitglieder im Elternverband. Die Schule und der Elternverband organisieren gemeinsame Veranstaltungen, in denen die Schulleitung und das Team der Betreuungslehrkräfte mit den Eltern über die Anforderungen des Bildungsplans von Baden-Württemberg informiert und grundsätzliche Zielvorgaben beschreibt. Diese Zusammenkünfte sind ein wichtiges Portal, um Weiterentwicklungen der didaktischen Konzepte vorzustellen, auf grundsätzliche potentielle Schwachpunkte und Fehlerquellen hinzuweisen und die Eltern für ihre Verantwortung in der Bildungspartnerschaft zu schulen. Die Eltern sollen sich in diese Entwicklungen aktiv einbringen.

    Darüber hinaus organisiert die Schule in Zusammenarbeit mit dem Elternverband gemeinschaftliche Lernprojekte, in denen die Schüler zusammenarbeiten und gemeinsam und in Gruppen Lernprojekte durchführen. Hier hat auch die Unterstützung der Eltern mit ihren persönlichen Erfahrungen, Fähigkeiten und Expertenwissen ihren Raum und bereichert und unterstützt den Lernalltag.

    Diese gemeinschaftlichen Projekte geben dem Team der Lernbegleiter auch die Möglichkeit zur Beurteilung der Schüler in der Interaktion mit anderen Mitschülern.

    3.2 Übergänge und Schulabschlüsse

    Durchlässigkeit und Flexibilität sind wesentliches Merkmal im Schulkonzept des Uracher Plans. Individuelle und offene Lern- und Arbeitsformen geben dem Schüler die Freiheit, den Lernfortschritt an seiner Begabungsentwicklung auszurichten. Insofern werden „Klassenübergänge“ bzw. die Evaluation nach Klassenstufen nicht nach Alter und Jahreszeit, sondern nach dem Erreichen der Kompetenzen, gemessen an den Bildungsplänen für Schulen in BW, vorgenommen. Die Multilaterale Versetzungsordnung für Baden-Württemberg findet entsprechende Beachtung.

    Eine Uracher-Plan-Schule führt je nach Bildungsziel und Begabungsentwicklung der Schüler zum Hauptschulabschluss, zum Realschulabschluss oder zum Abitur. Die Schüler werden nach Lernfortschritt bzw. Erreichen der Kompetenzen nach dem Bildungsplan BW individuell beraten und auf die jeweiligen landesweiten Abschlussprüfungen vorbereitet, die in der Schule stattfinden.

    3.3 Wochen- und Tagesrhythmus

    Die Freiheit, den Lernstil an eigene Stärken und Schwächen anzupassen, ist verbunden mit der Verantwortung für den Lernerfolg. Die gemeinsame Ausarbeitung der Arbeitspläne mit dem Schüler geben ihm Wertschätzung und motivieren ihn, Verantwortung für den eigenen Lernfortschritt zu übernehmen.

    Formulierte Pläne für die Aufgaben und Lernziele und ein rhythmischer Tages- und Wochenablauf im Wechsel von Arbeitsphasen einerseits und sportliche, musische oder soziale Aktivitäten andererseits geben Orientierung und Struktur und erleichtern zielbewusstes Arbeiten und Fortschrittskontrolle

    Morgenkreis und Gespräche über den Wochen- und Monatsplan sind gute Instrumente, um die zeitliche Abfolge der Arbeitspläne zu fixieren und schaffen Zeit und Raum für persönliche Reflektionen, Gespräche und Wünsche.

    3.4 Lernentwicklungsberichte und Portfolioarbeit

    Die Beurteilung der Leistungen des Schülers erfolgt individuell, angepasst an die jeweilige individuelle Arbeits- und Lernweise des Schülers. Die Beurteilung des Lernstandes setzt eine gezielte Beobachtung und Analyse der Lernformen und Lernprozesse voraus. Dabei findet die Art der individuellen Beschulung entsprechend Berücksichtigung.

    Von großer Bedeutung für die Entwicklung des Schülers ist, dass seinen Leistungen ein Wert zugesprochen wird. Ermutigung und Wertschätzung, Selbstvergewisserung und Eigenverantwortung sind grundlegende Prinzipien für das Erbringen von Leistungen. Im Mittelpunkt steht dabei immer die Einzigartigkeit und Würde des Schülers. Leistungsbemessungen sollen die Motivation und Freude am Lernen stärken. Deshalb soll die Evaluation vom Schüler niemals als ein Messen, was er nicht kann, empfunden werden.

    Aus diesem Grund umfasst die Beurteilung der Leistungen der Schüler beim Schulkonzept des Uracher Plans gewöhnlich alle erbrachten Leistungen. Hierzu zählen schriftliche Arbeiten, Ergebnisse von Projektarbeiten usw. Je nach Arbeits- und Lernweise kann sich der Schüler auf Wunsch auch herkömmlichen Testverfahren unterziehen.

    Um die Leistungen des Schülers umfassend darzustellen, erfolgt die Beschreibung in einem aussagekräftigen, verbalen Lernentwicklungsbericht, der je nach Wunsch der Eltern und/oder des Schülers durch Ziffernnoten ergänzt wird.

    Bei Verlassen der Uracher-Plan-Schule wird das Abgangszeugnis grundsätzlich mit Ziffernnoten ausgestellt, um nachfolgenden Einrichtungen die nötige Vergleichbarkeit zu bieten.

    Grundlage für die Leistungsbeschreibung ist der jeweils individuelle Lernfortschritt des Schülers. Eine gezielte Beobachtung und Analyse der Lernprozesse und die Diagnose des Lernstandes gehen der Leistungsbeschreibung voraus. Hierbei werden auch die Dokumentation des Gelernten und des jeweils individuellen Lernweges durch die Schüler (z. B. Portfolio), Leistungseinschätzungen der Eltern, die Dokumentation der Ergebnisse der Lernentwicklungsgespräche mit dem Schüler sowie die Auswertung der Selbsteinschätzungsinstrumentarien herangezogen. Hierfür wird der Schüler an Möglichkeiten der Selbsteinschätzung herangeführt, individuelle Lernpläne, die zusammen mit dem Schüler erstellt werden, geben Sicherheit und Orientierung in der Beurteilung der eigenen Arbeit und Leistung. Die Leistungsbeurteilung orientiert sich in ihrer Beschreibung des Lernentwicklungsstandes am individuellen Lernweg eines Schülers und an dessen Ziel, nicht an einer Vergleichsgruppe.

    4. Wissenschaftlicher Beirat

    Die Einführungsphase des Uracher Plans sowie die ersten Praxisjahre soll ein wissenschaftlicher Beirat begleiten.

    Seine Aufgaben sind in erster Linie die Weiterentwicklung des pädagogischen Konzepts in Wissenschaft und Praxis. Darüber hinaus untersucht er, wo das Schulkonzept aktuelle Fragestellungen (z. B. Vermittlung von selbstständigem Lernen, Umgang mit Heterogenität.) beantworten kann und inwieweit die Erfahrungen des Schulkonzepts Impulse zur Weiterentwicklung des gesamten Schulwesens geben.

    Der wissenschaftliche Beirat setzt sich sowohl aus Wissenschaftlern als auch aus erfahrenen Praktikern zusammen.

     

    5. Personelle Ausstattung, Leitung der Schule

    Die Organisation der Schule, die Anforderungen an die Schulleitung und die fachliche Kompetenz der Lehrkräfte richtet sich nach den einschlägigen Bestimmungen der jeweiligen Bundesländer.

    Blaustein bei Ulm im Dezember 2011

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