Der Uracher Plan in der Praxis

Die Familien

Die Familien, die sich für den UP entscheiden, ähneln dem Querschnitt der Bevölkerung und sind hinsichtlich Familiengröße, sozioökonomischer Stellung, Weltanschauung usw. sehr verschieden und bunt gemischt. Auch die Motive für die Teilnahme am UP sind ganz verschieden und reichen von Notwendigkeiten international tätiger Familien über Probleme mit anderen Unterrichtsformen wegen Krankheit, Sonderbegabung, Teilleistungsstörungen o.ä. bis hin dazu, dass man ganz einfach nur den besonderen Lern- und Lebensstil des UP schätzt. Eines ist jedoch bei allen UP-Familien gleich: sie sind weltoffen und für die Bildung ihrer Kinder äußerst engagiert.

Für den UP an der Freien Schule Brigach konnte sich jede Familie anmelden.  Das Schulkonzept ist konfessionsübergreifend und keiner Ideologie verpflichtet. 

Die Kinder leben in einer Umgebung, in der sie sich geborgen fühlen und in der ihre Bedürfnisse respektiert werden.  Sie werden gerne mit in den Familienalltag einbezogen, in  dem sie, begleitet von erwachsenen Bezugspersonen, lernen, verantwortlich verschiedene Aufgaben zu übernehmen (z.B. in Haushalt, Garten usw.). Dabei erhalten sie Einblicke in viele Bereiche des Lebens, sei es bei der Planung eines Festes oder in Teile des Arbeitsalltags der Eltern, in die Tätigkeiten von Handwerkern, das Ausfüllen der Einkommenssteuererklärung und vieles mehr. So entstehen situationsbezogene Lernimpulse, die wiederum viele Bereiche des Bildungsplanes abdecken.  Dadurch wird auf natürliche und ungezwungene Weise die Selbstmotivation und das Eigeninteresse der Kinder am Lernen befördert.

Gleichzeitig achten Eltern und Lernbegleiter bewusst darauf, dass die UP-Kinder nachhaltig in sinnvolle soziale Aktivitäten an ihrem Wohnort eingebunden sind, in denen Erwachsenen den Kindern Akzeptanz und Toleranz vorleben, sei es in Sportverein, Reitverein, Musikschule, Freundeskreis oder Kirchengemeinde. Die Kinder bekommen dadurch Gelegenheiten auch außerhalb der eigenen Familie in bunt gemischten Gruppen mit anderen Kindern aus verschiedenen familiären und gesellschaftlichen Hintergründen, eigenständig soziale Kompetenzen zu erwerben und zu erproben. Dies wird von den Eltern der UP-Kinder ausdrücklich gewünscht und gefördert.

Auf Seiten der Eltern erfordert der Uracher Plan die Anwesenheit eines Elternteiles, das Engagement der Eltern, die Bereitschaft zur Selbstreflexion und Flexibilität, sowie eine Offenheit für die enge Bildungspartnerschaft mit den Lernbegleitern der Brigach-Schule und die Zusammenarbeit mit den anderen teilnehmenden Familien.

 

Soziales Lernen

Dieses Vorleben ist auch der Schlüssel für die Entwicklung sozialer Kompetenzen.

Die Schüler lernen sowohl in der Familie, ihren Vereinen o.ä., als auch bei den gemeinsamen, wöchentlichen Treffen Teamarbeit und das Lösen von Konflikten. Sie werden dabei von den Eltern und Lehrern unterstützt.

Eine wichtige Rolle spielt dabei auch das Erlernen von demokratischen Prinzipien, die in den Gesprächskreisen und Projekten bewusst eingeübt werden.

 

Abschlüsse

Wie auch die anderen Schüler der FSB nehmen die UP-Schüler an landesweiten Abschlussprüfungen teil und erhalten auch die gleichen deutschen Abschlüsse. Sie werden von den Lernbegleitern (Lehrer) der FSB planmäßig auf die Abschlussprüfungen vorbereitet.

Im Jahr 2013 nahmen erstmalig drei UP-Schüler an der Hauptschulprüfung teil und erzielten weit überdurchschnittliche Noten. Zwei der drei Absolventen waren zudem um ein Schuljahr vorgerückt und waren damit ein Jahr jünger als sonstige Schüler beim Hauptschulabschluss. Alle drei UP-Schüler wollen ihre schulische Laufbahn fortsetzen und streben zunächst einen mittleren Bildungsabschluss an.

Obwohl dem Uracher Plan ein breiteres Bildungsverständnis zu Grunde liegt und Noten keine zentrale Rolle spielen, unterstreichen die guten Abschlüsse, dass auch der kognitive Kompetenzerwerb im UP nicht zu kurz kommt.

Copyright 2013 | Landesvereinigung für dezentrales Lernen Baden-Württemberg e.V. | Kontakt | Impressum